B/Orders are (not) everywhere (for everyone): Zur Multivalenz von Grenzen

Christian Wille (Luxemburg), Florian Weber (Saarbrücken)

AM 03

Das Panel knüpft an den im B/Ordering-Ansatz angelegten Zusammenhang zwischen Grenzen und Ordnungen an und fragt nach ihren (Multi-)Valenzen. Anstoß dafür gibt Salter (2012: 750), der mit Étienne Balibar (the border is everywhere) für ihren multivalenten Charakter sensibilisiert: „the border is not everywhere for everyone“. Es sollen also die Mehrwertigkeiten und Asymmetrien von Grenzen und der mit ihnen verknüpften Ordnungen in den Blick genommen werden, und zwar in einer diachronen und synchronen Perspektive: etwa changierende Wirkmächtigkeiten in der Zeit oder selektive Wirkmächtigkeiten in und durch Gegenwartsphänomene(n). Die Vorträge sollen zum einen Ansätze aufgreifen, welche die Veränderbarkeit und Gleichzeitigkeit solcher Valenzen beschreiben; zum anderen sollen sie kulturwissenschaftliche Gegenstandsbereiche der Grenz- und Migrationsforschung fokussieren. Die Beschäftigung mit (Multi-)Valenzen von Grenzen und Ordnungen orientiert sich an drei analytischen Zugängen, die sich auf die Felder Alltag, Politik und Ästhetik beziehen. (1) Wie werden (Multi-)Valenzen von Grenzen und Ordnungen (ein-/durch-)gesetzt? Dieser Zugang wendet sich den sozialen Herstellungsprozessen von Grenzen und Ordnungen zu als Kristallisationspunkte von (Multi-)Valenzen. Thematisiert werden (diskursive, soziomaterielle usw.) Praktiken des Kategorisierens (othering, filtering usw.) und die darin angelegten ein- und ausschließenden Strategien der Selektivität. (2) Wie werden Valenzen von Grenzen und Ordnungen destabilisiert oder Multivalenzen gewendet und produktiv gemacht? Über diesen Zugang, der sich an der Veränderbarkeit von Grenzen und Ordnungen orientiert, sollen Praktiken der Aneignung von (Multi-)Valenzen diskutiert werden, die auf die De- bzw. Restabilisierung ihrer (selektiven) Wirksamkeiten zielen. Thematisiert werden können Formen der Anfechtung von Grenzen und Ordnungen (Aktivist*innen, Bürgerbewegungen usw.) sowie Praktiken der Um-/Unterwanderung von (Multi-)Valenzen, die das Moment der Handlungsmacht (Agency) betonen. (3) Wie werden (Multi-)Valenzen von Grenzen und Ordnungen ästhetisch verarbeitet und repräsentiert? Welches politisches Potential der ‚Unordnung‘ besitzen solche ästhetischen Verarbeitungsformen? Dieser Zugang zielt auf das politische Potential von ästhetischen Ausdrucksformen, die sich (Multi-)Valenzen zuwenden. Thematisiert werden können kritische Verarbeitungen von Grenzen und Ordnungen in Malerei, Literatur, Film, Theater, Popkultur usw. (border arts, wall arts, performance arts usw.) mit den dort artikulierten Destabilisierungen von (Multi-)Valenzen.

Talks

„Bleibeperspektive“ – Zur Multivalenz aufenthaltsprognostischer Kategorisierungen

Simon Sperling (Osnabrück)

Europäische Ikonen und B/ordering-Prozesse. Eine Analyse multivalenter Grenzformationen in policy Diskursen während des „langen Sommers der Migration“ 2015

Laura Holderied (Oldenburg)

Performing (against) the wall. Die Multivalenz von Grenzen im Geflüchtetentheater

Amelie Harbisch (Berlin)